Ein Kirtan ist kein Kleidungsstück

Gestern (22.8) haben wir an einer Gedenkfeier unseres früheren Vermieters Govind Gill für seine verstorbene Mutter teilgenommen. Sie war vor ca 10 Monaten im hohen Alter von 92 Jahren verstorben. Wir hatten sie kennengelernt als wir 2013-17 im damaligen Familiensitz der Gills wohnten. Der wurde dann abgerissen und durch einen vierstöckigen Monumentalblock ersetzt, in dem die unterste Wohnung für Mutter Gill eingerichtet war (Die Familie wohnt in den USA). Der Bau und das Grundstück sind unheimlich bedeutend als “Home of the Family”, der Vater hatte das Grundstück als Luftwaffenoffizier bekommen und bebaut. Und so trägt die neue Wohnung all das emotionale Gewicht weiter, trotz Neubau, Stilbruch zum alten Bungalow und fast permanentem Leerstand (Das muss man sich bei einer Monatsmiete von ca 5000 Dollar auch leisten können).

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Aber zurück zum Thema: Govind hatte uns also zu einer “Kirtan” eingeladen, als Herzstück der Feier. Also schnell mal nachschlagen:

Kirtan ist ein spiritueller Gesang aus Indien. Dabei singt ein Vorsänger Mantras oder Namen von Göttern vor, und die Gruppe singt sie zurück. Diese Musik beruhigt den Geist und öffnet das Herz.

Govind und seine Familie sind Sikhs. Und so hatte sich die Wohnung in eine kleine Gurdwara verwandelt, einen Sikh Tempel. Kernstück: das heilige Buch Adi Granth, das unter einem Baldachin in edlen Stoff eingeschlagen liegt und aus dem zunächst eine Stunde rezitiert wird. Dann kamen drei Musiker dazu, die den Gesang beisteuerten, also die Kirtan ausführten. Nochmal für eine Stunde. Als das Ganze zu Ende ging, haben die Musiker noch während des ausklingenden letzten Liedes eilig ihre Instrumente eingepackt, nicht weil sie dringend weg mussten (sie blieben noch zum Essen), sondern weil das vermutlich Teil des “Macht man so” ist.

Es schlossen sich eine Rede des Priesters auf die verstorbene Mutter (in Hindhi), und eine emotionale Ansprache von Govind (in Englisch) an, in der er uns die ganze spirituelle Tiefe seiner Beziehung zu seiner Mutter und zu ihrem ewigen Verbleib im Astral Heaven vermittelte. Es war bewegend und echt, obwohl fremd und esoterisch. Aber zu erleben wie wichtig Govind diese Perspektive ist, das war beeindruckend.

Ganz weltlich: Familienfotos überall im Haus

Die Priester und Musiker wurden vor aller Augen in Barspenden bezahlt, am Ende kam ein weiterer, beeindruckend großer Sikh zum Geldzählen dazu und verkündete dann den Endbetrag von 29.040 Rupien. Das ist Transparenz!

Und wir blieben dann alle noch zum Essen. Es gab vegetarisch, passend zum religiösen Format, weltliche Gespräche und viele Fotos.

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